Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen...
Hartmut Meinert wurde 75 Jahre alt

Hartmut Meinert, Autokorso 'Kuba im Rhuhrgebiet'

Autokorso "Cuba im Ruhrgebiet"

Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen
der Hammel ist gar überm Lauch
Paprika soll uns im Halse brennen
der reife Kartoffelschnaps auch
Lachen wollen wir wieder wie damals
bis morgens der Nachtvogel schreit
Wieder gute Geschichten erzählen
von damals und von dieser Zeit ...
(Franz Josef Degenhardt)


Seinen 75. Geburtstag am 7. Mai 2010 hat Hartmut Meinert – anders als seinen 70. – nicht groß gefeiert. Degenhardts Beschreibung vom Fest "unter Pflaumenbäumen" aber passt zu ihm: Hartmut liebt gutes Essen, ist einem "Kartoffelschnaps" oder einem guten Wein sicherlich nicht abgeneigt, hat einen wunderbaren Humor und das Lachen nicht verlernt. Und er kann "Geschichten" erzählen – "von damals und von dieser Zeit".

Der Gewerkschafter

"Die Gewerkschaftsarbeit ist die 'rote Linie' meines politischen Lebens."

Als knapp 14-jähriger begann Hartmut Meinert eine Lehre als Werkzeugmacher. Für seinen Vater war es eine Selbstverständlichkeit, dass der Junge in der Gewerkschaft ist. Hartmut unterschrieb den Aufnahmeantrag ebenso selbstverständlich, ohne so recht zu wissen, was das denn ist, "die Gewerkschaft".
über die Freizeitangebote des Deutschen Gewerkschaftsbundes entwickelte sich Hartmuts gewerkschaftliche Aktivität. Mit 17 Jahren wurde er Vorsitzender des DGB-Sportausschusses im Kreis Velbert. Gleichzeitig wurde er aktiv in der DGB-Kreisjugend, war Teilnehmer und später Mitorganisator von Kreisjugendtreffen des DGB und der Einzelgewerkschaften.

"Damit begann meine Politisierung. Ich kam vom 'Freizeitbereich' der Gewerkschaft zur politischen Arbeit. Ich verstand allmählich den Interessenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit."

Weitere gewerkschaftliche Mandate folgten. Bis heute ist Hartmut Mitglied der Vertreterversammlung/Delegiertenversammlung (höchstes beschlussfassendes Organ der Gewerkschaft) in der IG Metall Velbert.

Mit 22 Jahren war Hartmut Betriebsratsmitglied. Bei der nächsten Betriebsratswahl erhielt er die meisten Stimmen. 1963 wurde er zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt – und blieb es 35 Jahre lang. Eine Freistellung von der Arbeit kam nicht in Frage, dafür war der Betrieb zu klein.

"Die Mehrheit des Betriebsrats duzten sich mit dem Chef und gingen mit ihm kegeln – ich nicht".

Gleichwohl war Hartmut Meinert auch bei der Firmenleitung sehr anerkannt. So wurde ihm die Ausbildung der gewerblichen Lehrlinge anvertraut, da er "ein Händchen" für Jugendliche hatte und gut erklären konnte.

"Sie sind dann oft auch mit ihren privaten Problemen zu mir gekommen. Das war mir manchmal zuviel, aber natürlich habe ich ihnen zugehört und versucht, ihnen Rat zu geben. Und ich habe sie alle in der IG Metall organisiert."

Seit 1973 leitet Hartmut den "Arbeitskreis Gewerkschaftspolitik" des Ortsverbandes IG Metall Velbert, dem er seit Gründung (1963) angehört. Der AK beschäftigt sich mit aktuellen politischen, gesellschaftlichen und natürlich gewerkschaftlichen Themen sowie mit der Geschichte der Arbeiterbewegung. Regelmäßig mischt er sich auch in die aktuelle Gewerkschaftspolitik ein. Als Leiter legt Hartmut Meinert die jeweiligen Themen fest, schlägt Referenten vor, kümmert sich um die Einladungen.

Hartmut Meinert, Autokorso 'Kuba im Rhuhrgebiet'

Autokorso "Cuba im Ruhrgebiet"

Der Compañero

Vor allem durch den Vietnamkrieg und die 1968-Bewegung erweiterte sich der politische Horizont von Hartmut Meinert über die Gewerkschaftsarbeit hinaus. Er wurde Mitglied der DKP. Nach Beendigung des Kriegs der USA fuhr er mit einer politischen Reisegruppe nach Vietnam.

"Damals wurde mir klar, wie wichtig internationalistische Arbeit ist."

Auch das sozialistische Kuba interessierte ihn sehr. Kurze Zeit nach Gründung – am 20.12.1976 – wurde er Mitglied der FG BRD – Kuba e.V. Mehrere Jahre war er eher passives Mitglied, nahm aber regelmäßig als Gast an den Bundesdelegiertenkonferenzen teil.

Seine "passive Mitgliedschaft" änderte sich 1994 schlagartig bei der 20. Bundesdelegiertenkonferenz in Essen:

"Bei dieser BDK gab es heftige Diskussionen. Einige Delegierte hatten aus meiner Sicht merkwürdige 'Reform'vorstellungen zur Entwicklung Kubas, dazu habe ich mich natürlich klar geäußert. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich nicht für den Bundesvorstand kandidieren wollte. Ich musste darüber erst eine Nacht schlafen, dann habe ich zugestimmt."

1990 nahm er an der Internationalen Brigade Josι Martν teil. Etwa 20 mal ist er seitdem auf Kuba gewesen, meistens ("aus klimatischen Gründen") über Weihnachten/Neujahr. Er hat Kuba kennen gelernt und kann jedem, der sich für dieses sozialistische Land interessiert, viel erzählen.

"Was die Kollegen für ein Auto gespart haben – ein Statussymbol – habe ich für die Reisen nach Kuba gespart."

Für die FG-Gruppe Velbert (organisatorisch der Gruppe Essen angesiedelt) organisiert Hartmut in unregelmäßigen Abständen spezielle Veranstaltungen, so z.B. Buchlesungen. Kontinuierlich ist die FG Velbert am 1. Mai bei der Kundgebung des DGB mit einem Infostand vertreten – nur einmal nicht: Als Hartmut anlässlich seines 70. Geburtstages über den 1. Mai auf Kuba war. Der Aktivist war verreist... der Infostand fiel aus.


Der Zuverlässige

Unmittelbar nach seiner Wahl in den Bundesvorstand 1994 begann Hartmut Meinert auch seine Arbeit in der Geschäftsstelle. Zunächst nur einmal wöchentlich am Freitag Nachmittag nach der Arbeit unterstützte er die Arbeit der jeweiligen Angestellten. Seit seiner Pensionierung im Jahr 1998 ist er regelmäßig an drei Tagen wöchentlich in der Geschäftsstelle, bei Bedarf auch häufiger. Als eine hauptamtliche Mitarbeiterin der FG für ein halbes Jahr erkrankte, arbeitete er Vollzeit, erledigte alle anstehenden Arbeiten. Nicht einfach für einen, der beruflich nie mit Buchhaltung, Korrespondenzführung und "Computerkram" zu tun hatte... Im Laufe der Jahre seit 1994 hat Hartmut etwa 10 Kolleginnen / Kollegen in der Geschäftsstelle unterstützt oder vertreten. Er ist für etliche Aufgaben der Geschäftsstelle zuständig. Ohne Hartmuts überwiegend ehrenamtliche Mitarbeit müsste die FG eine weitere Kraft einstellen.

Der Aktivist

"Ich gehe auf die Menschen zu. Wenn es zu lange dauert, bis sie selbst kommen, spreche ich sie an. Und ich bringe gerne Informationen unter die Leute."

Hartmut Meinert ist bekannt für seine Spendensammlungen und seine Fähigkeit, Menschen anzusprechen. Wer ihn erlebt hat, weiß, dass er nie agitierend, aber sehr überzeugend ist. "Informationen unter die Leute" bringt er durch Kopien von Zeitungsartikeln und durch Flugblätter, die er – mit Hilfe anderer Compañeros – schreibt und kopiert. Er selbst verteilt sie, trotz seiner zeitweise starken Gehschwäche, auf Kundgebungen und Demonstrationen.

Aktivist ist er auch in Gesprächen mit Interessenten, die bei der Bundesgeschäftsstelle der Freundschaftsgesellschaft anrufen und Informationen wünschen. So manche/n gewinnt er dann auch – ohne jede Aufdringlichkeit – für eine Mitgliedschaft oder eine Spende.

Neben all seinen Aktivitäten ist Hartmut über politische Ereignisse und Entwicklungen immer sehr gut informiert. Lesen gehört zu seinem "täglichen Geschäft". Und: Er ist Realist, kann die aktuellen Situationen – ob national, international oder für die FG – sehr genau einschätzen. Bei all dem bewahrt er immer – fast immer! – die ihm eigene große Gelassenheit.

Hut ab und Verneigung, Compañero Hartmut!

Sicher sind auch unsere Schwierigkeiten
das Einfache ist ziemlich schwer
Vorsicht ist in unsere Träume geschlichen
die Maultrommel spiel'n wir nicht mehr
Erzählt aber auch von den Streiks und Aktionen
von Festen und von unserem Spaß
und wie allmählich die Steine tanzten
die Mauern aus Dummheit und Hass... (FJD)


Logo CUBA LIBRE Jeannette Stuckmann